Interview mit Otto Kargl

An Mariä Empfängnis 1992 begann mit der kleinen Orgelsolomesse von J. Haydn die Tätigkeit von Otto Kargl als Domkapellmeister. Heuer ist dieses Werk in der letzten Messe unter seinem Dirigat zu hören, ebenso am 15. August.

©DanielaMatejschek

Im zweiten vatikanischen Konzil wurde ausdrücklich festgehalten, dass Kirchenmusik einen integralen Bestandteil der Liturgie darstellt. Welchen Auftrag hast du daraus für deine Arbeit als Domkapellmeister gezogen?

Kirchenmusik, vielleicht noch dazu gut interpretiert, stand immer wieder im Verdacht, näher an einer Konzertaufführung zu sein, als der Liturgie. Das hat mich immer sehr geschmerzt. Für mich ist Kirchenmusik kein Schmuck, oder oberflächliche musikkulinarische Kost. Sie ist eine der vielen Möglichkeiten,theologische Inhalte sinnlich und menschlich zu vermitteln.

Du hast an Mariä Empfängnis als Domkapellmeister mit der kleinen Orgelsolomesse von Joseph Haydn begonnen und wirst heuer ebenfalls an Mariä Empfängnis diese Messe als deine letzte dirigieren. Was verbindest du mit diesem Werk?

Mit dieser Messe schließt sich einfach mein musikalischer Tätigkeitsbereich als Domkapellmeister. Sie steht stellvertretend für alle kleinen wie großen Kostbarkeiten, die das mehr als 1000 jährige Repertoire der Musica Sacra zu bieten hat. Solange dieses Repertoire nicht verloren geht, geht auch die Kirche nicht verloren.

Du hast uns in den Proben für die Werke regelmäßig die liturgische Bedeutung der einzelnen Passagen erläutert, auch was Aussagen von z.B. Zeitgenossen betrifft oder seitens der Komponisten zu diesen Stellen überliefert ist. Wie hat das deinen Blick auf das Werk geprägt?

Der genaue Blick auf Text und Musik einer Messe, Motette, Kantate oder Oratorium führt nicht nur zu besserem musikalischem, sondern auch zu tieferem theologischem Verständnis der Bibeltexte.

Was nimmst du dir von deiner Zeit mit der Dommusik und in der Diözese mit?

Die musikalische Arbeit mit Menschen, mit denen mich das Interesse an der Musik aber auch das Interesse an der Qualität der Interpretation verbindet, gehört zum schönsten Teil meiner Arbeit als Domkapellmeister, die Claudio Monteverdi – Domkapellmeister an San Marco – als „servizio excellentissimo“ beschreibt.

Viele junge Menschen wurden in den vergangenen Jahren in der Dommusik „sozialisiert“, wurden in vielen Proben mit Musik und starken Bibeltexten konfrontiert. Sie haben so Zugang zu Kirche, Liturgie und ihren Texten gefunden. Das zeigt auch die wichtige pastorale Dimension einer gut geführten Kirchenmusik.


Was sind deine weiteren - auch musikalischen - Pläne?

Als Musiker geht man nie in Pension. Ich möchte einfach in Zukunft nur mehr Musik machen.